Dresdner Immobilienmarkt — Rückblick Q4 2025 und Ausblick 2026

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Der Immobilienmarkt ist kein Selbstläufer. Er ist zutiefst lokal — und gleichzeitig dem großen Weltgeschehen ausgeliefert. Kriege, wirtschaftliche Stagnation, technologische Umbrüche: Das sind keine abstrakten Schlagworte, sondern die Kulisse, vor der sich jeder Standort beweisen muss.

Bundesweit: Stabilisierung — aber ohne Euphorie

Die deutsche Wirtschaft ist 2025 um rund 0,2 Prozent gewachsen. Für 2026 rechnen die Institute mit einem Plus von gut einem Prozent. Die EZB hat den Leitzins seit einem Jahr bei 2,15% belassen, aber was wirklich zählt — der langfristige Zins von Baufinanzierungen — bewegt sich zwischen 3,6 und 4,0 Prozent. Kalkulierbar, ja. Ein Boom? Nein. Und die Banken schauen inzwischen genauer hin: ESG-Kriterien und Objektqualität entscheiden, ob ein Projekt überhaupt noch finanziert wird.

Dresden: geringer Neubau-aber Transaktionen auf gutem Niveau

Die Neubauzahlen sinken nicht nur bundesweit, auch in Dresden. Von 1737 Neubauwohnungen 2023 sank die Zahl der Fertigstellungen 2025 um etwa 10% und im Jahr 2025 um etwa 25% (optimistische Schätzung, die konkreten Zahlen liegen noch nicht vor), also etwa 1300 Wohnungsfertigstellungen. Bis 2030 werden aber pro Jahr etwa 2.300 neue Wohnungen benötigt. Die Diskrepanz wird den Wohnungsmarkt weiter sehr angespannt halten, denn Besserung steht nicht in Aussicht.

Der gesamte Verkaufsmarkt zeugt sich jedoch weiterhin sehr lebendig und kann sich so gegen den allgemeinen Abwärtstrend behaupten. Das Angebot an Neubauten ist zwar begrenzt, doch die Nachfrage sorgt dafür, dass die Transaktionen insgesamt auf einem konstanten Niveau bleiben.

Der Gutachterausschuss zählte 2025 rund 5.080 Kaufverträge, also elf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Geldumsatz lag mit knapp 1,9 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert, aber das relativiert sich schnell: 2024 hatten zwei Großtransaktionen die Statistik verzerrt. Die eigentliche Nachricht ist eine andere: Die Nachfrage ist zurück quer durch alle Teilmärkte, und mit moderat steigenden Preisen in fast allen Segmenten.

Das Herzstück bleibt das Wohnungseigentum: 77 Prozent aller Transaktionen, rund 820 Millionen Euro Umsatz. Im Wiederverkauf kostet der Quadratmeter heute rund 2.705 Euro, etwa vier Prozent mehr als 2024. Neue Wohnungen wurden 2025 für rund 6.460 Euro pro Quadratmeter verkauft, elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Reihenhäuser legten stadtweit um rund zwölf Prozent auf 3.660 Euro pro Quadratmeter zu. Im Speckgürtel sind Einfamilienhäuser besonders gefragt. Und wer sich fragt, warum Dresden bundesweit zu den Städten mit den stärksten Preissteigerungen gehört, sogar München in der Dynamik überholt, findet die Antwort im Norden der Stadt: Silicon Saxony.

Das große Bild: Industrie als Immobilienfaktor

Infineons neue „Smart Power Fab” startet im Herbst 2026. Das TSMC/Bosch/Infineon/NXP-Gemeinschaftswerk folgt Ende 2027. Rund 19 Milliarden Euro fließen derzeit in die Region, bis 2030 sollen 20.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Jeder dieser Jobs bedeutet Wohnraumbedarf! Dresden kauft sich damit eine Nachfragegarantie für das nächste Jahrzehnt. Endgültig werden wir den erhöhten Eigentumsbedarf jedoch erst in 2-5 Jahren sehen. Zuerst steigt die Mietnachfrage, später dann die Erwerbszahlen.

Was 2026 bringt — und was nicht

Bundesweit werden 2026 voraussichtlich noch einmal 15 Prozent weniger Wohnungen als im Vorjahr fertiggestellt. Was die Bundesregierung an Bau-Impulsen verspricht, wird frühestens 2027 oder 2028 spürbar, wenn überhaupt. Für Mieten und Kaufpreise bedeutet das: weiterer Aufwärtsdruck, in Wachstumsstädten wie Dresden besonders.

Für Investoren öffnet sich gerade das, was Analysten „frühzyklisch” nennen: Preise, die sich normalisiert haben, treffen auf ein erträgliches Zinsumfeld. Internationales Kapital kommt selektiv zurück, Private und Family Offices dominieren. B-Städte mit echtem Mietwachstumspotenzial — genau das Profil Dresdens — sind in dieser Phase die interessantere Alternative zu den überteuerten A-Märkten.

Die Risiken gehören dennoch genannt. Grundsteuer-Hebesätze von 400 Prozent, geplante Mietrechts-Verschärfungen, Vergesellschaftungsdebatten — das alles dämpft bundesweit die Investitionsbereitschaft. Geopolitik, mögliche US-Zölle und hohe Energiepreise können jede lokale Aufwärtsbewegung ausbremsen. Und auch innerhalb Sachsens gilt: Dresden erlebt ein mildes Wachstumsklima, der ländliche Raum nicht. Der Abstand zwischen sanierten und unsanierten Beständen wächst. Energieeffizienzklasse A oder B findet Käufer. G oder H muss Abschläge hinnehmen.

Unser Fazit

Dresden ist kein lauter Boom-Markt. Es ist ein Markt mit Substanz mit realem industriellem Rückenwind, stabiler Nachfrage und noch keiner überhitzten Bewertung. Wer jetzt investiert, kauft in eine Lage, die in unsicheren Zeiten Ruhe schafft. Und genau das ist es, was wir unter Vertrauen in Werte verstehen.

 

Foto: © Ilia Bronskiy / auf Unsplash.com

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